Volkshochschule München

Wettbewerb 2011

 

 

Bildungszentrum der Münchner Volkshochschule

Der Umbau und die Erweiterung der denkmalgeschützten ehemaligen Trambahnbetriebe zum Bildungszentrum der Münchner Volkshochschule besetzt im Stadteil Haidhausen einen architektonisch wertvollen und städtebaulich wichtigen Ort. Ziel des Entwurfs ist es, dieses Potential in funktionaler, städtebaulicher, gestalterischer und finanzieller Hinsicht optimal umzusetzen. Die Baumaßnahmen gliedern sich in einen Neubauteil entlang der Schloßstrasse, sowie Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen in den Bestandsgebäuden an der Einsteinstrasse.

 

 

Neubau

Die Gestaltung des Neubaus greift in seinem Volumen die Dimensionalität und das Erscheinungsbild der bestehenden Gebäude der Schloßstrasse, sowie des weiteren Umfelds auf und setzt diese in zeitgenössischer Form um. In Anlehnung an die giebelständigen Baukörper der Nachbarbebauung entsteht ein Neubau, der drei miteinander verschmolzene Baukörper auf ein erdgeschossigen Sockel setzt. Der Neubau wird oberhalb des Erdgeschosses durch eine klare Trennung in Form einer „begrünten Zäsur“ von der bestehenden Eckbebauung abgesetzt. Die drei Teilvolumen des Neubaus stehen ebenfalls giebelständig zur Straße und erzeugen durch variierende Geschossigkeiten und Dachneigungen einen lebendigen, sowie wohl-dimensionierten Erweiterungsbau. Mit der Auflösung in drei Teilvolumen wird vermieden, dass ein umfangreiches Raumprogramm mit einem monolithischen Einzelbaukörper den Straßenraum dominiert. die versetzte Anordnung der drei Teilvolumen gewährleistet eine optimale Belichtung aller Innenräume. Während der Sockel im Erdgeschoss sich mittels einer Glassfassade durch eine maximale Transparenz auszeichnet, weisen die Volumen der Obergeschosse eine substantielle und solide Materialität auf. Die Fassaden bestehen aus einem, in warmen Farbtönen, durchgefärbten Sichtbeton. Die Fenster sind mit Hilfe von nach außen gerichteten Leibungen leicht hervorgesetzt und erhalten dadurch eine objekthafte Qualität. Somit wird auch das körperhafte Erscheinungsbild der Volumina unterstützt. Gleichzeitig beziehen sich diese Fenster auf die dekorativen Elemente der Fassaden der Bestandsgebäude – insbesondere die Stuckelemente um deren Fenster – und setzen sie in eine zeitgenössische Form um.

 

 

Altbau

Der Altbau wird in seinen wesentlichen Bestandteilen erhalten und bauphysikalisch ertüchtigt. Der südliche Bereich der ehemaligen Fahrzeughallen wird durch ein zweites Geschoss ergänzt und in einem Teilbereich mit einem dritten Geschoss aufgestockt. Die neuen Fassaden greifen die Struktur, Rhythmus und Dimension der bestehenden Fassaden des Altbaus auf, und setzen diese fort. Als Materialität wird ein rauer Putz gewählt, der mit einem leicht schillernden Glas- bzw. Quarzsand durchsetzt wird und somit die Unterscheidung zwischen Altbau und Ergänzung subtil zum Ausdruck bringt.

 

 

Zugang & Organisation

Der Haupteingang zum Bildungszentrum liegt an der Einsteinstrasse an der Stelle des bisherigen Hofzugangs zwischen den beiden bestehenden Altbauten. Der Sockel des Neubaus reicht hier in den ehemaligen Innenhof hinein und verbindet damit ebenerdig die drei Baukörper des Gesamtkomplexes: Der Altbau entlang der Einsteinstrasse, der bestehende Eckbau, sowie der Neubau in der Schloßstrasse. Durch diese ebenerdige Verknüpfung aller Bestandteile direkt vom Hauptfoyer aus, kann eine optimale Nutzung der Räumlichkeiten, sowie ein Haus der „kurzen Wege“ gewährleistet werden. Das Foyer befindet sich somit im Herzen der Nutzungsabläufe und wird zum lebendigen Zentrum des Gebäudekomplexes. Die Lage des Haupteingangs zwischen den beiden Bestandsbauten ermöglicht einen sehr großzügigen Zugang zum Gesamtkomplex ohne Öffnungen in die denkmalgeschützten Altbauten brechen zu müssen. Zusätzlich wird der Altbau sinnlich besser erfahrbar, da die erdgeschossigen Außenwände, innenräumlich zur Foyerbegrenzung werden.

 

Außenräume

Der Entwurf unterscheidet zwischen vier Außenräumen: Entlang der Schloßstrasse befindet sich der Vorgarten mit großformatigen Baumpflanzungen und einer Gartengestaltung die Elemente von Renaissancegärten aufgreift. In diesem Vorgarten befindet sich auch die Aussengastronomie der Cafeteria. Der Innenhof wird entlang der südlich angrenzenden Nachbarbebauung mit (Blüten-) Pflanzen und Büschen gestaltet und erhält einen harten, versickerungsfähigen Bodenbelag. Der dritte Außenraum befindet sich auf dem Dach des Sockelgeschosses und dient als Terrassenfläche der dort befindlichen Unterrichtsräume. Im Sommer ist somit eine optimale Einbeziehung des Außenraums in den Unterrichtsablauf möglich. Die Zäsur zwischen Neubau und Bestands-Eckgebäude wird als wilder, vertikaler Garten gestaltet, der beide Fassadenflächen erklimmt. Oberlichter sind partiell in die Dachfläche eingelassen und belichten das darunter befindliche Foyer. Die vierte Art der Außenräume sind die vertikalen Grünräume die sich in Form von Lichthöfen im Altbau befinden.

 

 

Städtebauliche Funktion

In seiner Gesamtheit entsteht somit ein reichhaltiger Gebäudekomplex, der alle Bestandteile des Bildungszentrums eng miteinander verbindet und zu einem lebendigen Zentrum verschmelzen lässt. Mit seiner Verknüpfung von Alt und Neu, den Innen- und Außenräumen, sowie den öffentlichen und internen Bereichen, agiert das neue Bildungszentrum der Münchner Volkshochschule als städtebaulicher Magnet und wird zum attraktiven Ziel einer breiten Bevölkerung.